Montenegro

Die Reiseplanung wird durch Corona spürbar komplizierter: in welche Länder darf man einreisen oder nur durchreisen, wenn man in welchem Land vorher war? Braucht es einen negativen PCR-Test etc.? Nicht immer sind die Informationen auf den offiziellen Webseiten eindeutig. Der ADAC erweist sich hier als schnell und zuverlässig in der Kommunikation. So klappt unsere Fahrt von Rumänien im Transit durch Serbien nach Montenegro reibungslos. Der montenegrinische Grenzbeamte lächelt uns sogar richtig an und heißt uns willkommen. Eher eine Ausnahme, scheint der ernste Blick sonst zur Uniform der Grenzbeamten dazu zu gehören.

Hinter der montenegrinischen Grenze biegen wir ab in eine Schotterstraße, die uns zu einem wilden Stellplatz im Wald führt. Es ist dunkel und spät als ein Auto direkt neben uns hält. Jetzt ist es soweit denke ich, wir werden das erst mal von einem Stellplatz in der Natur weggeschickt. Als Hendrik zu dem wartenden Autofahrer geht, um uns der Situation zu stellen, werden wir eines Besseren belehrt: der Mann fragt in fließendem Deutsch, ob alles Ok sei, wir Hilfe bräuchten. Er wohne dort oben auf dem Berg in einem Haus, gerne können wir auch dort stehen. Wie nett! Für heute haben wir uns jedoch schon gemütlich eingerichtet, müde nach langer Fahrt. Am nächsten Morgen, während wir in den ersten Sonnenstrahlen frühstücken, zieht eine Bäuerin mit ihren zwei Kühen vorbei und grüßt fröhlich. Wir haben vor der eingezäunten Weidefläche geparkt. Wie wären die Situation und Reaktion wohl in Deutschland fragen wir uns auf mehreren wilden Stellplätzen während unserer Reise? Nach den herzlichen Begegnungen und der großen Gastfreundschaft, die wir in der Türkei und in Rumänien erleben durften, geht es auch in Montenegro weiter mit der Hilfsbereitschaft. Wir fühlen uns willkommen und merken, was für einen großen Anteil dieses Gefühl an unseren Reiseerfahrungen, -eindrücken und -erinnerungen ausmacht.

Wir fahren weiter nach Plav, unserem Ausgangspunkt für den Peaks of the Balkans Trek. Eine Wanderung durch die Berge in der Grenzregion Montenegro, Albanien und Kosovo. Unter anderem ein Projekt der giz, um die lokale Bevölkerung in den Bergdörfern zu unterstützen, Traditionen zu bewahren und Abwanderung zu verhindern. Hendrik stellt uns eine 7-tägige Variante des Treks zusammen, bestehend aus den schönsten Etappen (bei Interesse an dem Trek gerne an Hendrik wenden). Den Angaben in Wanderführern und auf Informationsseiten zufolge, muss man sich mindestens 14 Tage vorher um die Grenzübertrittsformalien für die drei Länder kümmern. Wir wollen aber so schnell wie möglich los, das gute Spätsommerwetter ausnutzen. In der einsamen Touristeninformation erfahren wir, dass wir das montenegrinische Dokument sofort in der nahe gelegenen Polizeistation ausgestellt bekommen können. Der Besuch lohnt sich für uns: der nette Polizist, der sich um das Papier kümmert, bietet uns an, dass wir Wuddi während unserer Wanderung auf dem gesicherten Parkplatz hinter der Polizeistation parken können und ihn zudem anrufen können, falls wir auf der Wanderung in Schwierigkeiten geraten sollten.

Am nächsten Morgen geht es los, diesmal ohne Zelt, da wir in Gasthäusern in Dörfern übernachten werden. Uns erwartet eine sehr schöne, abwechslungsreiche und dazu kulinarische Wanderung. Der Pfad führt uns durch einsamen Wald, herbstlich rot blühende Wiesen, ein Bergmassiv aus auffallend weißem Felsen, kleine Dörfer und in nette familiengeführte Unterkünfte. Die Vorfreude auf die leckeren Abendessen steigt tagsüber auf Etappen mit häufig acht Stunden Gehzeit und über 1000 Höhenmeter hoch und anschließend wieder runter. Jedes der sechs Gasthäuser hat seinen eigenen Charme: eine sehr herzliche Familie, eine lange Tafel zusammen mit albanischen Gästen, ein großer blühender Garten, ein tolles Panorama, eine energiegeladene und humorvolle Gastgeberin, das spontane Ausprobieren einer Handspindel (bei der Großmutter des Hauses sah das so einfach aus!)… Und jedes Gasthaus bekocht und verwöhnt uns mit neuen lokalen Spezialitäten, so dass wir – als hätten sich die Unterkünfte untereinander abgestimmt – am Ende der Wanderung alle im Wanderführer aufgeführten traditionellen Speisen einmal gegessen haben. Dazu immer selbst gebackenes Brot, selbst gemachten Käse sowie Gemüse aus dem Garten als Lunchpaket. Auf dem Weg begegnen wir ein paar Hirten und Bauern, die immer nett grüßen, uns frisch gepflückte Brombeeren schenken oder anbieten, im Schatten Platz zu nehmen. Die Bewohner dieser bergigen Grenzregion führen ein einfaches Leben und gehen ehrlicher, unmittelbarer Arbeit nach. Dabei haben viele eine bemerkenswerte Ausstrahlung von Gelassenheit, Humor und Herzlichkeit.

Wieder haben wir großes Glück mit dem Wetter in den Bergen. Während unserer sieben Wandertage scheint die ganze Zeit die Sonne. Kaum jedoch sind wir von der Wanderung zurück und haben auf einem Campingplatz geparkt, fängt es an zu regnen. Und regnerisch bleibt es erstmal. In den kommenden Tagen erleben wir einen Wetterumschwung. Der Herbst ist da. Die eine Nacht wackelt Wuddi so sehr im starken Sturm, dass wir in einer Nacht- und Nebelaktion umparken, um Schlaf zu finden. Wir verbringen ein paar Tage in der Bucht von Kotor und im Lovcen Nationalpark und warten zuversichtlich darauf, dass Sonne und Spätsommer noch einmal zurückkommen. Das tun sie schließlich auch noch einmal für zwei Tage am schönen großen Skadar-See an der Grenze zu Albanien. Wir finden einen Stellplatz direkt am Ufer mit Blick auf das mystische „montenegrinische Alcatraz“, eine kleine Insel mit der Ruine eines ehemaligen Gefängnisses. Heute bietet sie glücklicherweise nur noch freien Vögeln Schutz. Am nächsten Tag unternehmen wir eine kleine Bootstour – wie sagt der Westfale so schön „ganz nett“. Wir sind mit dem Donaudelta nun wohl einfach verwöhnt ;).

Mit Blick auf die weitere Wettervorhersage für Montenegro und Albanien müssen wir schließlich wahrhaben, dass es für uns Zeit ist, weiter gen Süden zu fahren. Nach Griechenland. Einfach gedacht, kompliziert gemacht. Die Einreise nach Griechenland erfordert einen Umweg über den Kosovo, Nordmazedonien und Bulgarien, da für Touristen auf dem Landweg nur ein einziger Grenzübergang von Bulgarien nach Griechenland geöffnet ist. Für den Grenzübertritt wiederum benötigen wir einen frischen negativen Covid-Test. Diesen können wir in Podgorica, der Hauptstadt von Montenegro in einem privaten Labor für 80 Euro/Person machen. Mit etwas Hartnäckigkeit liegt uns nach acht Stunden der erforderliche Passierschein vor. Weiter geht es mit zwei Übernachtungsstopps nach Griechenland. Die Grenzübergänge verlaufen wie bisher unkompliziert und unaufgeregter als die öffentlichen Seiten und Vorwarnungen vermuten lassen.

Mehr Eindrücke aus Montenegro gibt es hier im Fotoalbum.

3 Kommentare zu „Montenegro

  1. After all the mountainous terrain how will you both be able to stand upright I am sure one leg must be higher than the other !!!!!!!!..I will miss your blogs when the adventure is over. Regards Adrian

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  2. Liebe Anna – es freut mich sehr, dass Ihr in diesen skurrilen Zeiten doch noch reisen könnt. Die Bilder sehen schön aus und machen Lust aufs Reisen. Genießt es weiterhin! Interessant, dass es doch geht – aber Ihr habt ja erfreulicherweise Zeit. Ich glaube schon, dass die Leute sich sehr über Besuche freuen. So als Kurzzeit-Urlaubende mit der Gefahr für Quarantäne in fernen Ländern ist Reisen gerade keine gute Idee. Ich muss leider auch Januar/Indonesien stornieren. Ganz viel Spaß und schöne Eindrücke mit traumhafter Natur wünscht Euch weiterhin, Caren — Ich schaue gerne weiterhin bei Euch vorbei!

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