Deutschland Teil 2

Mecklenburg-Vorpommern: in die Zeitung und ins Kajak

Gerade macht die Grenze nach Mecklenburg-Vorpommern auf, sind wir auch schon drüber. Die Nacht haben wir in der Nähe der Landesgrenze mit Brandenburg verbracht. Absurd, welche spürbaren Grenzen Corona plötzlich durch die Landschaft zieht. Wir sind verabredet mit guten Freunden aus Münster: Marlene und Jan mit der kleinen Rosa machen gerade Elternzeit in ihrem Bulli und haben einen Campingplatz am Blanksee gebucht. Wuddi verbringt seine ersten Nächte auf einem Campingplatz und wir landen prompt in der Zeitung, wie wir Wochen später durch eine Freundin aus Münster erfahren, die unsere Namen ganz unverhofft in der TAZ entdeckt. Damit hatten wir nicht gerechnet. Über den Inhalt müssen wir schmunzeln: Hendrik in „Wattejacke“ gepackt, wild gestikulierend, ich als verniedlichte Niesling…

Wir verbringen schöne Tage mit den dreien, unternehmen Fahrradtouren, trinken Lübzer in Lübz, spielen mit Rosa und grillen gemütlich.

Für Hendrik und mich geht es weiter ins Kajak auf die Mecklenburgische Seenplatte. Auf die Mehrtagestour hatte ich mich schon gefreut. Paddeln ist etwas Schönes, finde ich. Auf dem Wasser sein, die gleichförmigen kraftvollen Bewegungen mit den Armen, wilde Landschaften durchqueren, in die man zu Fuß nicht kommt, zelten am Ufer… Wenn man dann auch noch zu zweit in einem Boot sitzt, im gleichen Rhythmus paddelt und eine Person das Lenken übernimmt, ist es tolles Teamwork.

Als ich auf dem größten, windigen See ein Kanu mit einer Familie mit drei Kindern sehe, beladen bis obenhin, fühle ich mich an die Mehrtagestouren in Polen in meiner Kindheit erinnert. Mit Freude, Dankbarbeit und auch ein bisschen Bewunderung, dass meine Eltern so eine Art von Urlaub mit uns drei – teils noch kleinen – Kindern gemacht haben.

Altmühltal: Bootsrutschen mit den Borgmännern

Weiter geht es auf dem Wasser, allerdings im Altmühltal. Über Pfingsten sind wir dort mit Hendriks Bruder Lars, seiner Schwägerin Judith und den beiden kleinen Neffen, Erik und Caspar, verabredet.

Der Campingplatz ist sehr voll, gleichzeitig sind die Duschen nicht geöffnet. Corona-Maßnahmen in Bayern. Campingplätze dürfen nur ohne Sanitäranlagen öffnen. Kollektives Stinken inklusive. Wir überlegen kurz, ob wir unsere warme Outdoordusche für 5 Euro vermarkten. Lassen den Gedanken dann wieder fallen. Wir möchten keinen Ärger mit dem Platzwart und manche Platznachbarn nicht nackt sehen. Dafür duschen wir selbst warm mitten auf dem Platz. Wahres Glamping in Zeiten von Corona. Toiletten gibt es immerhin, sie gehören formell zum angeschlossenen Biergarten. Hier macht die Maskenpflicht einen doppelten Sinn.

Glücklicherweise verbringen wir die meiste Zeit ja auf dem Wasser. Highlight sind die Bootsrutschen: Die Altmühl fließt mit starker Strömung zwei Wasserwehre herab. Für uns heißt das, mit dem Kanu gerade in die Hauptrinne steuern, loslassen und runter geht’s. Was für ein Spaß! Vor allem für denjenigen, der vorne sitzt, im ersten Fall Hendrik. Er wird pitschnass. Hendriks Neffen und wir haben eine Riesengaudi. Ebenso die Gruppe von Wildwasserpaddlern, die unten am Wehr übt. Das Ganze wiederholen wir mehrmals. Am Ende sind wir alle naß. Gleichberechtigung ;).

Frisch verwöhnt von der Sächsischen Schweiz und der Mecklenburgischen Seenplatte, wo deutlich weniger los war, kommt uns das Altmühltal etwas gehypt vor. Dafür hatten ein wir ein schönes und besonderes Wiedersehen!

Spessart: Bikepacking Premiere

Unsere Idee vom Reisen war ja: Wuddi für die Entfernung, Räder und Füße für Nahbares und Natur. Neben Tagestouren sind wir auch für Mehrtagestouren ausgerüstet. Trekking und Bikepacking in Georgien und Kirgistan war unser Traum. Jetzt wollen wir erstmal Bikepacking in Deutschland ausprobieren. Der Spessart (von diesem mitteldeutschen Mittelgebirge hatte ich ehrlich gesagt vorher noch nie gehört…) bot sich besonders dafür an, da es dort öffentlich buchbare Trekkingplätze gibt. Ein bisschen wie genehmigtes Wildcampen. Wir sind ja noch in Deutschland. Unsere Rucksäcke und den Anhänger vollgepackt mit Campingkram, Essen und vor allem Wasser machen wir uns auf den Weg durch großen, dichten Wald und entlang von plätschernden Bächen. Der Mountainbike-Anhänger fährt wie ne Eins, auch auf windigen Trails bergab. Nur Bergauf bringt uns das Gepäck bei hochsommerlichen Temperaturen ganz schön ins Schwitzen. Tourenlänge und/oder Höhenmeter werden wir in Zukunft mehr anpassen müssen bei Mehrtagestouren mit Gepäck.

Der Trekkingplatz liegt mitten im Wald und ist mit Feuerstelle, Obstbäumen und charmantem Plumpsklohäuschen ausgestattet. Eine Dusche ist schnell aus einer Plastikflasche mit Löchern im Deckel improvisiert. Wie einfach doch gut ist!

Leider müssen wir unsere Tour am zweiten Nachmittag frühzeitig abbrechen. Ein schweres Unwetter ist angekündigt und geht später auch laut und nass los. Ganz spontan besuchen wir dafür meinen Bruder Peter und seine hochschwangere Freundin Melissa in Frankfurt. Schön, die beiden und den großen Babybauch nochmal zu sehen, bevor ich in den nächsten Wochen auf die Ferne Tante werde. Hier nehmen wir die Annehmlichkeiten eines festen Wohnsitzes in Anspruch und waschen drei Waschmaschinen voll Klamotten.

Am Neckar: Ein ganz besonderer und schöner Geburtstag

Anfang Juni, an meinem Geburtstagswochenende, sind wir mit meiner Schwester Eva und meiner Cousine Elisabeth auf einem Campingplatz in Neckargerach verabredet. Nach wochenlangem Traumwetter, stehen jetzt kalte Regentage bevor und wir buchen spontan ein großes Tipi dazu. Verbotenerweise durchwandern wir eine schöne Schlucht, die eigentlich wegen Corona gesperrt ist. Das ist auch wirklich gefährlich, denn der Virus könnte uns ja hinter einem Baum versteckt, auflauern. Wir spielen Gesellschaftsspiele, grillen, schlendern durch Heidelberg und albern viel rum. An meinem Geburtstag ist das Wetter besser und wir unternehmen eine Kanutour. Am Einsatzort für die Kanus angekommen, wartet eine tolle Geburtstagsüberraschung: Peter! Er hat einen Geburtstagskuchen gebacken und ist extra früh morgens aus Frankfurt angereist. Zu fünft paddeln wir auf dem Neckar, lachen viel, machen Picknick… Ein besonderer und besonders schöner Geburtstag!

Fazit und weiter

Kurzum, die „gewonnene“ Reisezeit in Deutschland hat uns sehr gut gefallen. Wir haben Deutschland besser kennengelernt, Touren durch richtig schöne Gegenden unternommen und tolle Tage mit Freunden und Familie verbracht. Corona sei Dank.

Es gibt noch viele weitere schöne und interessante Orte in Deutschland, die wir besucht hätten… aber Anfang Juni ergibt sich das erste Schlupfloch in Richtung Südosten. Slowenien erklärt sich Corona-frei und öffnet die Grenzen für Touristen. Ein Transit durch Österreich ist möglich. Wir lassen nicht lange auf uns warten.

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