Slowenien und Roadtrip durch den Balkan

Slowenien: Aktivurlaub mit Freunden

Bei Regen überqueren wir den wolkenverhangenen Wurzenpass nach Slowenien und schlängeln uns in Serpentinen zum Campingplatz. Mitten im saftigen Grün, als einzige auf dem Platz, begrüßen uns unsere Freunde Pitti und Ruth. Die beiden hatten wir schon im Sauerland getroffen. Abends wird der Grill angeschmissen, angestoßen und gequatscht. Die Tagesgestaltung ist leider von der Wetterlage abhängig. Häufig hängen die Wolken in den Bergen und es regnet regelmäßig. Wir unternehmen einige schöne Wander- und Mountainbiketouren im Soca-Tal und machen einen zweitägigen Wildwassergrundkurs (Pitti nennt ihn Wildwassertauchkurs). Mir macht’s jedoch großen Spaß und Lust auf mehr.

Slowenien hat uns richtig gut gefallen: ein Outdoorparadies mit viel dichtem grünen Wald, hohen Bergen und der türkisblauen Soca. Gerne hätten wir noch den Triglav bestiegen, leider spielt das Wetter nicht mit.

In der Zwischenzeit war verkündet worden, dass die innereuropäischen Grenzen am 15.6. aufmachen würden. Als es am 15.6. morgens wieder in Strömen gießt und für die kommenden fünf Tage keine Besserung in Sicht ist, entscheiden wir: Slowenien, wir kommen wieder, aber jetzt geht´s weiter! Wir geben Georgien in Google-Maps ein: Über 3000 km und 37 Stunden Fahrtzeit. Wir klatschen uns spontan in die Hände. Nun beginnt eine andere Reisezeit. So, wie wir sie ursprünglich geplant hatten. Jetzt machen wir richtig Strecke, immer weiter in Richtung Südosten. Und ab hier sind wir nur noch zweit unterwegs.

Roadtrip durch den Balkan: Serbien und Bulgarien

So sind wir am 15.6. und 16.6. mit die ersten, die über die drei Grenzen (Slowenien-Kroatien, Kroatien-Serbien und Serbien-Bulgarien) fahren. Davor haben sich kilometerlange Schlangen von LKW gebildet, an denen wir vorbeifahren. Die Grenzübergänge verlaufen reibungslos. Lediglich an der Grenze nach Bulgarien stehen wenige Autos vor uns in der Reihe. Überhaupt kommen wir super schnell voran, in unserer gesamten Reisezeit haben wir nicht einen einzigen Stau erlebt.

Serbien

In einem richtigen Unwetter erreichen wir den einzigen Campingplatz weit und breit und werden herzlich empfangen. Wir sind die zweiten Gäste dieses Jahr. Der Besitzer, ein älterer Mann, freut sich sichtlich über unseren Besuch, ist interessiert und hilfsbereit. Ebenso die Putzfrau, die am nächsten Tag dort ist und gut Deutsch spricht. Auch wenn Serbien ehrlicherweise „einfach so“ auf unserer Route lag, möchten wir uns außerhalb unseres Autos einen kleinen Eindruck verschaffen. So schwingen wir uns am Morgen auf dem Campingplatz auf unsere Räder und fahren stumpf die Straße lang. Nach ein paar Kilometern kommen wir in ein kleines Dorf, die Straße führt mitten durch. Auf einem Schornstein ein Storchennest, um die meist einfachen Häuser Gärten mit Gemüsebeeten und Obstbäumen. Vor dem Dorfladen sitzen ältere Männer. Ein Dorf, wie ich es schön ähnlich in Rumänien erlebt habe. In dem Dorfladen möchte ich eine Flasche Wasser kaufen. Leider haben wir bei der vielen Fahrerei und dem schnellen Wechsel der Länder ganz vergessen, Geld zu wechseln und mit Euro kann die Verkäuferin nichts anfangen. Ich will das Wasser zurückstellen, da nickt sie mir freundlich mit einer klaren Geste zu: es ist ein Geschenk. Unsere wenigen Begegnungen mit Serben waren durchweg sehr freundlich.

Bei der Weiterfahrt entschließen wir uns spontan nach Belgrad reinzufahren, um einen Eindruck von der Stadt zu bekommen und Essen zu gehen. Moderne ergänzt sich hier mit Ostcharme zu einem ganz eigenen Stadtbild. Wir essen lecker auf der Terrasse eines Restaurants neben vielen anderen jungen Leuten. Nur, dass sie in der Regel deutlich modischer gekleidet sind als wir Reisepragmatiker und, dass wir die einzigen Touristen sind. Insgesamt scheint es uns, als wären wir auf unserem Spaziergang durch Belgrad die einzigen ausländischen Touristen gewesen.

Am gleichen Abend geht es noch weiter nach Bulgarien.

Bulgarien

Kurz nach der Grenze fahren wir von der Autobahn ab und übernachten auf einer großen, blühenden Wiese. Am nächsten Morgen fahre ich mit Wuddi alleine weiter. Zunächst. Hendrik fährt mit seinem Longboard einige Kilometer die abschüssige Straße herunter.

Im Radio laufen Balkanbeats, wir sehen Gebirgszüge in der Ferne… Wir haben Lust, etwas von Bulgarien zu sehen und fahren in den Rila Nationalpark, in dem man gut wandern kann und in dem auch das älteste, meist besuchte Kloster Bulgariens steht. Wir steuern einen Campingplatz an, der noch ein Stück oberhalb des Klosters liegt. Der Platz wirkt verlassen, ein kleines Häuschen am Eingang ist völlig zugerümpelt, kleine Bungalows sind verriegelt, kein Mensch ist zu sehen. Lediglich der Rasen ist frisch gemäht. Wir fahren weiter rein und in einer Hütte, die an das Hauptgebäude grenzt, steht eine Tür angelehnt. Durch den Spalt kann man eine einfache Pritsche und einen Fernseher sehen, der läuft. Es ist also jemand da. Ich rufe und ein alter Mann kommt nach einer Weile heraus. Er scheint dort zu wohnen und den Platz alleine zu hüten, zumindest solange es keine Gäste gibt. Er kann kein Wort Englisch, wir kein Wort Bulgarisch, trotzdem können wir uns soweit verständigen, dass wir die Nacht dort auf dem Rasen stehen können und ihm die Platzgebühr zahlen.

Der ganze Platz wirkt wie zu Sowjetzeiten, aber es gibt viel und warmes Wasser und wir stehen gut und im Grünen. Abends steigt Rauch aus dem Ofenrohr der Hütte, in der der alte Mann lebt. Er kocht für sich. Hin und wieder kommt er raus, dreht eine kleine Runde oder setzt sich auf einen Stuhl vor der Hütte. Er geht langsam, humpelnd und gekrümmt. Ich frage mich, wie er in Deutschland leben und medizinisch versorgt würde. Am nächsten Morgen kommt ein Mann, vielleicht sein Sohn, und bringt Lebensmittel vorbei. Er ist also nicht ganz allein.

Leider regnet es die Nacht und den Morgen und wieder ist laut Wetter-App für die kommenden Tage in den Bergen keine Besserung in Sicht. So entscheiden wir uns wiederum weiter zu fahren. Vorher jedoch halten wir am Rila-Kloster. Eigentlich ein Touri-Hotspot in Bulgarien, ist jetzt kaum was los. Wenige bulgarische Besucher und Pilger sind mit uns da. Im Zentrum des großen Innenhofes steht eine reich geschmückte bulgarisch-orthodoxe Kirche. Die Außenwände sind verziert mit Fresken vom Höchsten Gericht und der Hölle. In den Bildern werden die grauenvollen Vorstellungen der gläubigen Menschen der letzten Jahrhunderte lebendig. Teufel zerren Menschen ins Feuer, stechen mit Mistgabeln auf sie ein, reißen an ihren angeketteten Füßen…

Wir fahren weiter, zunächst über eine Landstraße entlang an kleinen Dörfern und Seen und sehen wenige Pferdefuhrwerke.

Zum Abend halten wir in Plovdiv, einer sehr schönen alten Stadt. Zumindest kann man das über das Zentrum und die Altstadt sagen. Drumherum ähnelt es Berlin-Mahrzahn. Auch Plovdiv ist ein Touristenziel, auch diesmal sind wir fast die einzigen ausländischen Touristen. Dennoch ist die Stadt sehr lebendig, viele Menschen sitzen draußen in Cafés und Restaurants, es gibt Stände und Musik auf der Straße. Im alten Stadtteil laufen wir vorbei an einem römischen Amphitheater, alten Häusern mit einer schönen, stadttypischen Architektur und halten auf dem höchsten Hügel der Stadt. Hier steht eine große Ruine, von der aus man eine schöne Aussicht hat. Das finden offensichtlich auch die jungen und verliebten Bulgarinnen und Bulgaren, die sich hier treffen.

Wir entdecken ein nettes Restaurant und essen Patatnik, ein Nationalgericht aus Kartoffeln.

Für die Übernachtung fahren wir raus aus der Stadt und halten auf einem Holperweg neben einem Fluss. Morgens ziehen die Angler an uns vorbei und wir weiter in Richtung Türkei. Kurz vor der türkischen Grenze stoppen wir nochmal, nutzen noch kurz das verbleibende Datenvolumen und das innereuropäische Roaming für Telefonate mit den Familien.

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