Türkei Teil 4

Corona macht uns einen Strich durch die Route

Wir haben alles vorbereitet für die Einreise nach Georgien. Alex, ein georgischer Freund in Deutschland, der professioneller Übersetzer ist, hat unser KFZ-Versicherungsdokument amtlich übersetzt und es zu Zeks Familie geschickt. Und wir sind vorbereitet, sogar auf eine 14-tägige Quarantäne. Die Lage ist etwas undurchsichtig. Deutsche dürfen nach neuestem Stand per Flug einreisen, allerdings ist fraglich, wie sich der Übergang an der Landesgrenze zur Türkei gestaltet. In den letzten Wochen waren wir in engem Austausch mit Alex, der sein Netzwerk in die georgischen Behörden genutzt hat, um uns mit den aktuellsten Informationen zu versorgen (Alex, du warst der Hammer!). Für die Georgier, die über die Türkei einreisen, besteht 14-tägige Quarantänepflicht in zugewiesenen Hotels. Der Staat zahlt die Unterkunft und Verpflegung. Hendrik und ich stellen uns auf 14 Tage ungewohnten, aber bezahlten Hotelurlaub im Küstenort Batumi ein und überlegen schon, was wir mit der vielen „faulen“ Zeit anstellen können. An der Grenze bitten wir die türkischen Grenzbeamten, die nichts zu tun haben, sich bei den georgischen Kollegen ein paar Hundert Meter weiter nochmal zu informieren, wie die Situation für uns genau ist. Wir warten und warten und warten in der leeren Durchgangshalle. Irgendwann heißt es, eine Einreise aus rein touristischen Gründen mit eigenem Auto sei ein Problem. Wir sind unsicher, ob dies ein zuverlässiges Nein bedeutet oder ob die türkischen Beamten unsere Wartezeit in der Hitze verkürzen möchten. In jedem Fall aber erfahren wir, dass wir die Kosten für die Quarantäne in einem gehobenen Hotel selbst zahlen müssten. Und 14 Tage Freiheitsentzug im goldenen Käfig auf eigene Kosten ist uns dann doch zu viel. Wir und Alex, der sich mit uns darauf gefreut hatte, dass wir sein Heimatland kennenlernen, sind enttäuscht. Aber das ist Reisen in Zeiten von Corona: Sich in Flexibilität und Gelassenheit üben, nie zu weit Voraus planen und sich für Rückschläge rüsten, bestenfalls mit einem Plan B und C in der Hinterhand. Eine Reise nach Georgien bewahren wir uns also für die Zukunft auf und planen diese gemeinsam mit Alex zu machen (wir freuen uns schon!). Unser Plan B für jetzt sieht vor, nochmal ein paar Tage in einer anderen Ecke der Kaçkar-Berge zu verbringen, die Schwarzmeerküste herunter zu fahren, Istanbul anzusehen und dann nach Rumänien durchzufahren. Der Wehmutstropfen am Plan B ist, dass wir dem weitesten Punkt unserer Reise schon wieder den Rücken zukehren. Dabei soll es sich ja noch gar nicht nach Rückreise anfühlen!

Wir fahren entlang der zugebauten Küstenstraße in Richtung Westen und lassen den kleinen Corona-Faustschlag sacken. Irgendwann fahren wir ab in ein Tal ins Landesinnere und finden bei einem Rafting-Anbieter einen kleinen Campingplatz. Der Besitzer hat Dutzende Medaillen und Urkunden ausgestellt, er war Rafting- und Kajak-National- und Regionalmeister und bei Weltmeisterschaften dabei. Körperbau und Bizepsumfang lassen daran keine Zweifel. Bevor wir am nächsten Morgen aufbrechen kritzelt er uns noch Punkte auf eine Karte und zeigt uns dazu ein paar Fotos: schöne Dörfer und Aussichten im westlichen Kaçkar-Gebirge, in das wir für ein paar Tage eintauchen möchten.

Bergdörfer und –seen im westlichen Kaçkar-Gebirge

Auf dem Weg durch das Tal fahren wir weiter am Fluss entlang. Ich übertreibe nicht: alle paar Hundert Meter gibt es weitere Rafting- und Zipline-Unternehmen, das Ufer ist eine reine Action-Promenade. Zu „normalen“ Zeiten tummeln sich hier die russischen und arabischen Touristen. Je weiter man jedoch in das Tal hineinfährt, desto schmaler wird die Straße, desto wilder der Fluss und desto unberührter die Natur. Jetzt wird Wuddi gefordert. Wenn schon nicht in Georgien, dann hier: Holperpisten vom Feinsten. Konzentriert geht es im Slalom um die tiefen Schlaglöcher. Trotzdem ruckelt es gewaltig, als Wuddi im ersten und zweiten Gang die Berge hochkriecht. Die Anstrengung lohnt sich: plötzlich stehen wir über den Wolken! War es gerade noch grau bewölkt und nieselig, so scheint jetzt die Sonne auf einen weißen weichen Watteteppich. Wir verbringen zwei Nächte in kleinen urigen Bergdörfern. In einem bekommen wir den Premiumplatz: direkt vor einer kleinen Betonbühne mit super Blick auf das Tal. Auf der Bühne Picknickbank und –tisch, darunter direkt die Toiletten. Wie kompakt und praktisch ist das denn?! Das Dorfleben wirkt entschleunigt, einfach und natürlich: Es laufen Hühner und Hunde über die Lehmstraße, auf den Wellblechdächern trocknet Heu, Kühe werden durch das Dorf getrieben, Kinder spielen, Erwachsene sitzen zum Plausch zusammen. Über den Fluss sind Seilzüge mit kleinen Lastkabinen gespannt, mit denen Baumaterialien und Einkäufe zu den Häusern auf der anderen Flussseite transportiert werden. Morgens werden wir vom inbrünstigen Krähen des Dorfhahns geweckt. Pünktlich nach acht Stunden Schlaf und gnädig mit dreimal Snooz-Kickerikiii. Wecker sind doch nervige, moderne Erfindungen!

Wir unternehmen Wanderungen zu glasklaren Bergseen und freuen uns während wir hochschwitzen schon darauf in das eiskalte Wasser zu hüpfen. 1, 2, 3 rein – mittlerweile sind wir darin geübt und geräuschlos. Hendrik juckt es unterm Mountainbikehintern. Er schleppt sein Rad stundenlang mit hoch, um später ratzfatz über die steinigen steilen Wege herunter zu düsen. Während ich herunterwandere, hoffe ich ihn in einem Stück wiederzusehen.

Auf dem Weg zu einem dritten empfohlenen Dorf und Aussichtspunkt drehen wir nach ein paar Kilometern Straßenstrapazen um. Die wenigen Autos, die uns entgegenkommen haben 4×4 Antrieb, es ist neblig, an der Pistenseite geht es steil bergab, mehrere beachtenswerte Bäche kreuzen den Weg, die Schlaglöcher werden noch tiefer und der Weg ist noch weit. Wir wollen Abenteuer, aber kein Wuddi-Burn-Out.

Trotz der wilden Straßenverhältnisse ist die Küstenseite der Kaçkar-Berge sanfter und grüner als der Teil, in dem wir zuvor fast zwei Wochen verbracht haben. Der Abstecher hat sich nochmal richtig gelohnt und wir sind dankbar für die tollen Tipps, die in keinem, uns bekannten Reiseführer stehen. Wieder machen wir die Erfahrung: Die Einwohner sind die besten Ratgeber!

Große Gastfreundschaft entlang der Schwarzmeerküste

Wir fahren die Küstenstraße gen Westen und erleben den ersten (Feierabend-) Stau nach fast drei Monaten Unterwegssein. Als sich die Sonne rot färbt, fahren wir ab in eine kleine Bucht, direkt zwischen Schnellstraße und Meer. Wir haben noch nicht mal richtig geparkt, da werden wir schon von ein paar türkischen Männern interessiert angesprochen und nett begrüßt. Sofort wird Michael, ein Deutscher, dessen Eltern aus der Gegend kommen, dazu geholt, um uns bekannt zu machen und zu übersetzen. Er lebt bei Tübingen und macht gerade Urlaub bei der Familie in der Türkei. Die Einheimischen laden uns zu Chai und Gözleme auf die Terrasse eines kleinen Strandkiosks ein. Immer mehr Leute kommen zum Strand und begrüßen uns, teils auf Deutsch. Die Menschen freuen sich sichtlich, dass wir hier an ihrem Ort gelandet sind und werden nicht müde zu wiederholen, dass wir sehr willkommen sind. Das freut uns sehr, gleichzeitig sind wir etwas überrumpelt von dem Trubel um uns. Bevor es richtig dunkel wird, lösen wir uns dankbar ab und rennen ins warme Meer. Gerade haben wir das Salzwasser abgeduscht und seit längerem mal wieder eine Flasche Wein aufgemacht, da werden wir schon wieder eingeladen. Diesmal in das Dorf hinter der Küstenstraße zu den Verwandten von Michael. Es fällt uns nicht leicht, die Einladung nicht anzunehmen, aber wir möchten uns nach der vielen Fahrerei heute einfach nicht mehr vom schönen Fleck bewegen und freuen uns auf einen ruhigen Ausklang des Abends. Kaum sind sie weg, kommt eine andere türkische Familie vorbei und möchte uns ebenfalls für den Abend einladen. Wohlgemerkt die dritte Einladung an einem Abend! Von Fremden! Hier kommen wir für den Abend nur raus, indem wir ihnen versprechen, morgen zum Frühstück zu ihnen zu kommen. Um welche Uhrzeit sie uns mit dem Auto abholen können? Wir verabreden 9.00 Uhr. So soll es sein. Am nächsten Morgen werden wir pünktlich von dem Sohn der Familie mit einem fröhlichen Guten Morgen begrüßt und abgeholt. Die Großfamilie – Bruder, Vater, Mutter, Tanten, Onkel, Cousinen, Cousins – wartet schon mit üppig gedecktem Frühstückstisch auf. Wir werden fröhlich begrüßt und bekommen die Ehrenplätze unter dem grünen, Schatten spendenden Dach aus Weinreben. Was für ein Frühstück! Türkische Lasagne, Pommes, leckeres Brot, selbstgemachte Aufstriche, Gemüseplatten, Käse, Melone, türkischer Kaffee, Chai… die Familie gibt gut Acht, dass unsere Teller sobald sie leer sind, wieder gefüllt werden und freut sich über jedes „lezzetli“ (lecker).

Die „Kinder“ im Studenten- und Schulalter sprechen gut Englisch. Die Eltern sind hier aufgewachsen, jetzt leben die drei Familien die meiste Zeit des Jahres in Istanbul. Hier im Dorf, 12 Stunden von Istanbul entfernt, verbringen sie die langen Sommerferien. Hier fühlen sie sich wohl, züchten Obst und Gemüse im Garten, gehen fischen, baden und genießen das ruhige Dorfleben an der Küste. Istanbul sei eine gute Stadt zum Arbeiten und Studieren und interessant für Touristen, jedoch vor allem stressig und laut, wenn man dort lebt. Bevor uns die zwei Brüder zurück zum Strand führen, bekommen wir noch drei Gläser Marmelade und eine Tüte mit Obst geschenkt. Und eine Einladung für die Zukunft: sie seien jeden Sommer hier, wir sollten wiederkommen. Was für eine uneigennützige, große Gastfreundschaft! Der Fußweg zum Strand führt uns durch Obstbaumplantagen und vorbei an einer Quelle, von der wir noch frisches, kaltes Wasser in Flaschen abgefüllt bekommen für die anstehende Fahrt. Die mehrspurige, viel befahrene Küstenstraße trennt das Dorf unnatürlich vom Strand, wir müssen durch eine Unterführung laufen. Mit dem Bau der Schnellstraße vor einigen Jahren habe sich vieles verändert, früher sei es viel ruhiger, schöner und sauberer gewesen, erzählen die beiden Brüder, bevor wir uns dankbar verabschieden. Wir sind gerade mit Wuddi auf die Küstenstraße abgebogen, da ruft Michael vom Vorabend an. Er und seine Verwandten würden uns heute gerne noch einladen. Wie schön! Und schade, denn jetzt sind wir bereits auf dem Weg – mit vollen Bäuchen und voll mit Eindrücken.

Nach der Hafenstadt Sinop beginnt ein schöner Abschnitt der alten, einspurigen Küstentrasse mit kaum Verkehr. Hinter den engen Kurven tun sich immer wieder neue Aussichten auf das türkisblaue Meer und kleine Buchten auf. Die nächsten Nächte verbringen wir an schönen Stellplätzen mit Blick auf´s Schwarze Meer, das seinem Namen keine Ehre macht (mittlerweile haben wir nachgelesen, woher das Schwarz kommt). Für einen Tag spannen wir die Hängematte auf, gehen baden, grillen und basteln an Wuddis Innenleben. Man könnte in dieser Gegend noch viel mehr Zeit mit Entspannen am Strand verbringen. Und wahrscheinlich hätte es uns gutgetan, mal wieder länger an einem Ort zu sein und Urlaub vom Reisen zu machen. Aber es sind Feiertage in der Türkei und die Picknick- und Campingliebenden Türken sind an die Strände gepilgert. Sie feiern das viertägige Opferfest, eins der zwei wichtigsten muslimischen Feste. Es wird aufgetischt, getanzt und gesungen. Und es reiht sich ein Zelt neben dem anderen an Plätzen, die von anderen Reisenden als „ruhig und einsam in der Natur“ beschrieben wurden. Wir fühlen uns etwas ruhelos und fahren weiter. Vielleicht auch weil wir jetzt unser neues Ziel im Kopf haben: Rumänien. Davor wollen wir jedoch noch Halt in Istanbul machen.

Auf dem Weg passiert uns unser erstes Reise(gepäck)malheur: An einer Tankstelle stellen wir fest, dass der Reifen von unserem Radhänger, der auf dem Dach befestigt war, weg ist. Seitdem wir ihn das letzte Mal bewusst wahrgenommen haben, sind wir viele Kilometer gefahren und es ist eine Nacht vergangen. Scheiße! Ohne den Reifen, eine Spezialanfertigung für die gefederte Konstruktion, ist der Hänger nicht mehr zu gebrauchen und Bikepacking in den verbleibenden Reisemonaten schwer umsetzbar. Hendrik schlägt vor, bis zum letzten Stellplatz zurückzufahren. Auf gut Glück. Hoffnung gering. Auf der Huckelpiste zur Landzunge, auf der wir übernachtet haben, ruft Hendrik plötzlich: Da ist er! Tatsächlich liegt der Reifen unversehrt am Straßenrand. Er ist von den niedrig hängenden Ästen eines Baumes heruntergefegt worden. Hendrik, der unerschütterliche Optimist, hatte Recht (Anmerkung Hendrik: So wie fast immer! 😉 )

Istanbul 

Wie wählt eigentlich ein muslimischer Mann seine Partnerin, wenn die Frauen verschleiert sind? Wie steht es um Scheidungen im Islam? Tragen muslimische Frauen das Kopftuch freiwillig? Solche und weitere spannende Fragen stellen wir Fatih und Abdüllatif in einem grünen Hinterhof mitten in Istanbul. Die beiden sind Freiwillige vom Center for cross-cultural communication und können fließend Englisch sprechen. Auf dem weichen Teppich der großen Süleymaniye Moschee sind wir ins Gespräch gekommen und spontan zum Tee eingeladen worden. Mit dabei ist Andreas, ein anderer deutscher Reisender. Es ist eine total nette, aufgeschlossene Runde, in der sich schnell ein natürlicher Gesprächsfluss ergibt. Interessierte Fragen finden zu ehrlichen, spannenden Antworten und persönlichen Geschichten. Und so wird ganz nebenbei aus dem Tee plötzlich ein richtiges Essen. Wir lernen viel über den Islam. Dinge, die nicht in dem Islam-Heft stehen, das ich mit auf Reise genommen und gelesen hatte. Und wir erfahren ehrliche Teilhabe und wahres Interesse an den jeweils anderen Personen, ihren Perspektiven und Geschichten. Als wir uns nach mehreren Stunden verabschieden, sind wir alle fünf glücklich und bewegt von dieser Begegnung. Das war cross-cultural communication, wie es sein sollte. Öfter. An mehr Orten. Auch wenn wir an diesem Ort, einer anonymen Mega-Stadt wie Istanbul, nicht damit gerechnet hätten. Hier hat uns wohl Corona in die Karten gespielt: Normalerweise kommen 3000 Besucher pro Tag in die Moschee, aktuell sind es 100-150. Zu normalen Zeiten wäre wahrscheinlich nicht die Zeit für solch eine intensive Begegnung gewesen.

Ich erlebe Istanbul als interessant, anstrengend, laut, groß, modern, traditionell, multikulturell, rau, schön und lecker. Und durchlebe unterschiedlichste Stimmungen: Mal genieße ich die atmosphärische Ruhe in den Innenhöfen der Moscheen, den Blick auf den Bosporus, freue mich über die Lebhaftigkeit auf dem Basar und die Buntheit der Wochenmärkte. Dann stresst mich der Verkehr, bedrückt es mich, Menschen zu sehen, die in Mülltonnen nach Essbaren suchen und damit ihre Kinder füttern. Besonderes eine Begegnung mit Armut bleibt hängen: ein Obdachloser, der auf dem Boden sitzt, lächelt mich an. Hier kann ich nicht einfach vorbeigehen. Während ich nach Geld krame, spricht mich der Mann in freundlichem, astreinen Muttersprachler-Deutsch an. Er ist in Köln geboren und hat dort einen Großteil seines Lebens verbracht. Später ist er in die Türkei gezogen, noch später hat er seinen Job als studierter Historiker verloren und seine Ehe ist gescheitert. Als Fremdenführer konnte er sich noch eine Weile mehr schlecht als recht über Wasser halten, aber damit war durch Corona endgültig Schluss. Der Mann hat einen ganz angeschwollenen Fuß, ein Taxi hat ihn angefahren und ist dann weggefahren. In der Notaufnahme des Krankenhauses wurde er abgewiesen, da er keine Versicherung hat. Eine Wohnung hat er nicht mehr und die Notunterkünfte sind durch Corona geschlossen oder ein Risiko. Er freut sich sichtlich, Deutsch zu sprechen und überhaupt zu sprechen, während ihm jemand zuhört. Wenn auch nur für kurze Zeit – Ich muss weiter, habe Hendrik schon längst im Gewimmel verloren. Bevor ich gehe, fragt er, ob wir noch ein Foto zusammen machen. Er hat zwar kein Handy, aber vielleicht habe ich ja eins und kann zur Erinnerung ein Foto machen. Dafür steht er auf und trotz des Corona-Abstandes verändert sich die Wahrnehmung, eine angenehmere Perspektive als von oben nach unten.

Die Corona-Krise hinterlässt Spuren auf den Touri-Pfaden der Stadt. Restaurants, Bars und Tourguides werben um die wenigen Touristen. Man spürt, da ist Existenz-Druck auf dem Kessel. Gleichzeitig werden die großen touristischen Attraktionen renoviert. Und die Hagia Sophia ist sowieso nur noch bedingt zu besuchen. Als Frau schafft man es noch in einen abgetrennten Seitentrakt, der zentrale Innenraum ist für die Männer zum Gebet bestimmt. An der Decke und den Seiten sind christliche Symbole mit Tuch abgedeckt. Schade!

Ein Highlight zum Abschuss unserer Tage in Istanbul ist ein türkischer Kochkurs. Hendrik hatte sich schon vor unserer Reise darauf gefreut, in den Ländern, wo möglich, Kochkurse zu besuchen. Hier in Istanbul wird es möglich gemacht: Die Kochschule hatte Corona-bedingt seit März geschlossen, die Besitzer kommen extra für uns einen Tag früher aus dem Urlaub auf dem Land zurück und öffnen erstmalig wieder die Türen. Zwei Kochlehrer und zwei Kochlehrlinge. Es wird ein toller Abend. Auch die beiden Besitzer, ein total nettes authentisches Pärchen, haben Freude daran. Am Ende haben wir sechs Stunden zusammen gekocht, gequatscht und getrunken. Ob wir alle vier Gänge in Deutschland nachkochen? Einzelne sicherlich. Für andere müssten wir in jedem Fall sehr viel Geduld und Liebe zum Essensdetail von unserer Reise mitbringen.

Tschüss Türkei – wir kommen wieder!

Nach so viel Text aus der Türkei, was war denn jetzt das Highlight?

Definitiv die große Gastfreundschaft der Türken. Unzählige Male wurden wir zu Chai eingeladen, haben Essen geschenkt bekommen, haben das Wort „hosgeldiniz“ (Willkommen) gehört, wurden angelächelt, nett angesprochen und haben Hilfe und Tipps bekommen. Ohja, davon haben wir einiges gelernt, können wir einiges lernen, nehmen wir einiges mit und nehmen uns einiges vor.

Und gab es auch ein Lowlight?

Ja, der viele Müll. Leider. Häufig sammeln wir Müll an Stellplätzen ein, dann ist gut. Einige Male verlassen wir angesteuerte Stellplätze wieder, weil die Müllmenge mit Augen und Nasen einfach nicht zu ertragen ist. Schönste Plätze an Flüssen, am Meer, im Wald sind völlig zugemüllt. Viel zu häufig wird der Müll einfach in der Natur liegen gelassen oder dort hingeworfen, wo es bequem ist.

Das Thema Müll beschäftigt uns, wohlwissend, dass wir als Touristen sicherlich mehr Müll und CO2 produzieren als die „Durchschnittstürken“. Und dass es auch in Deutschland ein schwieriges und großes Thema ist…

Auf Wiedersehen, Türkei!

Weiter geht´s nach Rumänien.

Weitere Eindrücke aus dieser Zeit gibt es hier im Fotoalbum.

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